Was ist Autonomie?

Autonomie als Persönlichkeitseigenschaft bestimmt sowohl den Status einer Person als auch die Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe. Obwohl sie als Sinnbild für die Funktionsweise westlicher Demokratien gilt, wurde Autonomie bisher kaum wissenschaftlich untersucht. Interpretationen neuro- und kognitionswissenschaftlicher Befunde gehen sogar so weit, die menschliche Fähigkeit autonomen Handelns grundsätzlich in Frage zu stellen.

In diesem interdisziplinären Forschungsprojekt sollen erstens grundlegende begriffliche Fragen geklärt werden, zweitens neurowissenschaftliche Untersuchungen zu basalen Entscheidungsprozessen einzelner Individuen durchgeführt und drittens sozialwissenschaftliche Befragungen und Tests zur Handlungsrelevanz autonomer Entscheidungen vorgenommen werden.

Somit untersuchen wir auf mehreren Analyseebenen eine Persönlichkeitseigenschaft und Verhaltensvariable, die für die Funktionsweise demokratischer Gemeinwesen zentral ist. Die Aufklärung der Verhaltensrelevanz autonomer Persönlichkeitsmerkmale wird nicht nur eine ungeprüfte Grundannahme des gesellschaftlichen Funktionierens einer theoretischen und empirischen Prüfung unterziehen, sondern damit zugleich auch wichtige Hinweise für die Gestaltung politischer, sozialer und pädagogischer Handlungsfelder liefern.

Michael Pauen
Institut für Philosophie / Berlin School of Mind and Brain, Humboldt Universität Berlin

Christoph S. Herrmann
Institut für Psychologie, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

Harald Welzer
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR)

Das Projekt wird im Rahmen der Förderinitiative "Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften" von der Volkswagen-Stiftung gefördert.